Ausrasten (Going on Tilt / Tilting)

Dies ist vielleicht ein Ausdruck, den ihr am liebsten nicht kennen lernen möchtet, aber es passiert uns allen hin und wieder im Lauf unserer Pokerkarriere.

Ausrasten (Tilting) bezieht sich auf einen psychologischen Zustand, in dem Emotionen unsere Fähigkeit beeinflussen, Poker spielen zu können. Normalerweise kommt dies vor, wenn man eine echte Pechsträhne hat, aber es kann auch passieren, wenn alles gut läuft.

Da Poker ein Spiel ist, das mit Verstand gespielt werden muss, bedroht jede Störung oder Behinderung dieses Prozesses euer Spiel. Natürlich ist es schwierig, seine Emotionen ständig unter Kontrolle zu halten, aber beim Poker ist es NOTWENDIG, dass ihr sie zum ANGEMESSENEN Zeitpunkt kontrolliert. Wenn ihr Bube und Dame auf der Hand habt und der Flop bringt Herz-Ass, Herz-Dame und Herz-Zehn und es wird VIEL gewettet, müsst ihr erkennen können, dass ihr hier besser passt. Ein Spieler, der am Ausrasten ist, würde hier wahrscheinlich versuchen, den Pott zu gewinnen, egal wie schlecht diese Entscheidung auch sein mag. Ausrastende Spieler jagen Seifenblasen hinterher und je mehr sie versuchen, diese zu fangen, desto schlechter wird ihre Situation.

Leute die sich ärgern, sich nicht mehr konzentrieren und keine vernünftigen Entscheidungen mehr treffen können, werden mit großer Wahrscheinlichkeit all ihr Geld verlieren. Lasst euch nicht dazu verleiten, derart abzugleiten.

Poker mag manchmal in Bezug auf die Emotionen, die es auslösen kann (positive und negative), wirklich unmenschlich erscheinen, aber es belohnt diejenigen, die aus Stein gemeißelt sind. Scheint nicht gerade fair oder? Wir wollen euch natürlich nicht abschrecken oder gar andeuten, dass alle Pokerspieler Eiswasser in ihren Adern haben, aber man kann nicht genug betonen wie wichtig es ist, am Tisch konzentriert und rational zu bleiben. Allgemein gesagt rasten die meisten Spieler aus, weil sie große Verluste erlitten haben oder anscheinend kein einziges Blatt gewinnen können. Manche Spieler rasten nach ein oder zwei großen Gewinnen aus, aber diese Anfälle dauern in der Regel nicht so lange, wie diejenigen, die durch Verluste ausgelöst werden.

Was kann man dagegen tun? Zunächst müsst ihr erkennen, wenn es bei euch anfängt. Das ist das Wichtigste. Sobald ihr feststellt, dass ihr euren Emotionen gestattet, euer Spiel zu übernehmen, könnt ihr die kluge Entscheidung treffen, ein oder zwei Spiele auszusetzen; denkt an etwas Erfreuliches; genehmigt euch einen Drink; was auch immer ihr tun müsst, um eure Fassung wieder zu erlangen. Beim Onlinepoker ist es besser, wenn man nicht seinen Computer verflucht oder sogar auf ihn einschlägt; der angerichtete Schaden macht euch später nur noch wütender (und kostet noch mehr Geld!). Denkt an den Song von Kenny Rogers: „Walk away from trouble if you can“ - klingt kitschig, beschreibt die Situation aber aufs Genaueste.