Häufig hört man den Ausdruck: „Wie ein Pokerspieler denken“. Wir sind zwar keine Fans von Clichés, aber dieser Ausdruck trifft den Nagel auf den Kopf: Beim Poker braucht man ein gewisses Denkmuster, was viele Anfänger einfach nicht verstehen.
Man kann während eines Pokerspiels leicht den Faden verlieren. Dieser Abschnitt soll euch dabei helfen, Ablenkungen zu eliminieren und sich einzig und allein auf die Dinge zu konzentrieren, über die ihr euch Gedanken machen SOLLTET - wie etwa die vier Poker-Fertigkeiten.
Professionelle Pokerspieler werden häufig mit den Adjektiven „tight“ oder „aggressiv“ charakterisiert. Anders ausgedrückt, Pokerhaie spielen normalerweise nicht allzu viele Blätter, aber wenn sie spielen, dann zeigen sie einen Killerinstinkt.
Während „tight“ und „aggressiv“ gute Eigenschaften für Profis sind, bieten sie dem Anfänger jedoch keine große Hilfe. Wie wird ein Anfänger „tight“ und „aggressiv“?
Einfacher ausgedrückt: Wir sind der Überzeugung, dass es das Wichtigste für einen Pokerspieler ist, ständig weiter zu lernen, zu üben, und letztendlich die vier wichtigsten Fertigkeiten weiter zu entwickeln: MATHEMATIK, DISZIPLIN, PSYCHOLOGIE, und RISIKOMANAGEMENT im Vergleich zu BELOHNUNGSMANAGEMENT. Nachstehend findet ihr eine Übersicht über diese wichtigen Pokerkonzepte.
Jeder gute Pokerspieler kennt allgemeine Prozentsätze. Aber, wie sehen diese aus? Es sind alles Gewinnwahrscheinlichkeiten, die ihr euch über das Pokerspiel merken könnt, die euch Zeit sparen, wenn alle Augen auf euch gerichtet sind. Zum Beispiel habt ihr eine Chance von 1 zu 8 ein Set zu erhalten, wenn ihr ein Pocket-Paar habt. Ihr habt außerdem eine Chance von 33 %, beim Flop einen Flush Draw zu erhalten. Die Anzahl allgemeiner Prozentsätze, die beim Poker hilfreich sein können, sind nahezu unbegrenzt, weshalb es eine gute Idee ist, sich auf die wichtigsten zu konzentrieren. Je mehr ihr übt, desto besser werdet ihr euch sie merken können.
Erfolgreiche Pokerspieler wissen auch immer die Anzahl ihrer Outs. Outs sind, falls ihr dies noch nicht wissen solltet, die noch nicht ausgeteilten Karten, die euer Blatt verbessern können. Ihr solltet immer wissen, wie viele Karten euch möglicherweise helfen können, und es ist auch keine schlechte Idee, sich die Outs in Prozentsätzen vorzustellen. Um eure Gewinnwahrscheinlichkeiten zu ermitteln, zählt ihr eure Outs, multipliziert sie mit zwei, addiert zwei und das Ergebnis sind eure Chancen in Prozent: (# der Outs) x (2) + (2) = UNGEFÄHRER PROZENTSATZ, SEIN GEWÜNSCTES BLATT ZU ERHALTEN. Versucht, dies in eurem Gedächtnis einzuprägen.
Die Pott-Gewinnwahrscheinlichkeiten sind ebenfalls unwahrscheinlich wichtig und gehen Hand in Hand mit den Outs. Outs alleine sind gar nichts wert, wenn sie nicht in elegante Wetten umgesetzt werden (d. h. die Art Wetten, die die finanziellen Belohnungen eurer Entscheidungen mit in Betracht ziehen).
Solide Pokerspieler verlangen einen Vorteil. Ein Gewinner unterscheidet sich von einem Fisch dadurch, dass der Fisch nicht erwartet zu gewinnen, während der erfahrene Spieler davon ausgeht. Ein Fisch spielt auch gerne andere Casinospiele; er oder sie hofft einfach nur, einmal Glück zu haben. Ein Pokerspieler „hofft“ nicht darauf, Glück zu haben - im Gegenteil, er „hofft“ darauf, dass die anderen KEIN Glück haben.
Gute Pokerspieler wissen, dass jedes Spiel ein unterschiedliches Maß an Disziplin erfordert. Ein disziplinierter Spieler bei Spielen ohne Limit kann sich bei Spielen mit Limit zum Narren machen, und umgekehrt. Gewöhnlich spielt ein disziplinierter Spieler vor dem Flop äußerst tight. Er wird nicht zu viele Blätter spielen, nur diejenigen, die ein hohes Gewinnpotential haben.
Ein disziplinierter Spieler in Spielen ohne Limit ist jedoch ganz anders. Dieser Spieler macht sich keine Sorgen darüber, zu viele Blinds zu spielen; er will stattdessen nur nicht in eine Falle geraten. Der Hauptunterschied zwischen disziplinierten Spielern in einem Spiel mit und ohne Limit besteht darin, dass der Spieler im Spiel mit Limit seinen Stack nicht Stück für Stück dahinschwinden sehen will, während der Spieler im Spiel ohne Limit unbedingt vermeiden will, seinen ganzen Stack auf einen Schlag zu verlieren. Deshalb kann ein disziplinierter Spieler in einem Spiel ohne Limit viele Blätter spielen. Er kann vor dem Flop so loose spielen, wie er nur mag. Er weiß allerdings auch, wann er ein Blatt, das ihn in Schwierigkeiten bringen könnte, abgeben sollte.
Die wahrscheinlich wichtigste Tatsache, die man sich merken sollte, ist, dass ein disziplinierter Spieler weiß, wann er spielen und wann er passen sollte. Diese Spieler wissen, wann sie dem Ausrasten nahe sind, und sind sich dessen bewusst, wann ein Spiel zu lohnenswert ist, um aufzuhören. Ihr werdet diese Art Wissen früher oder später ebenfalls erwerben, aber bis dahin solltet ihr einfach eurem Instinkt folgen. Wenn ihr das Gefühl habet, dass ihr eher emotional als rational spielt, dann solltet ihr vielleicht eine Pause einlegen und euch neu sammeln.
Disziplinierte Pokerspieler wissen, dass sie nicht perfekt sind. Wenn sie einen Fehler machen, dann lernen sie daraus. Sie machen nicht andere dafür verantwortlich. Sie jammern nicht. Sie lernen von ihren Fehlern und machen weiter. Es gibt kaum einen besseren Ratschlag.
Über Poker-Psychologie gibt es jede Menge Informationen, und wir wollen hier nicht zu sehr „in die Tiefe“ gehen. Wir wollen euch jedoch einige grundsätzliche Ratschläge geben. Das Wichtigste, das man sich beim Poker vor Augen halten sollte, ist, dass die ANDEREN SPIELER genauso wichtig sind, wie ihr selbst. Anders ausgedrückt, viele werden häufig beim Poker überrascht, da sie zu oft nur an sich selbst denken; Entscheidungen beurteilen, welchen Ansatz man wählen sollte usw. Während dies wichtige Überlegungen sind (siehe oben stehenden Abschnitt über DISZIPLIN), müsst ihr die gleiche Zeit und den gleichen Aufwand darauf verwenden zu beobachten, was sonst am Tisch passiert.
Ein guter Pokerspieler ist nicht ichbezogen. Er mag der größte Mistkerl sein, den ihr jemals getroffen habt, und er mag, wenn er nicht gerade Poker spielt, nur an sich selbst denken. Aber wenn er POKER SPIELT, sollte sich seine Philosophie ändern. Er wird versuchen, sich in seine Gegner hineinzuversetzen. Er wird versuchen, die Sachlage aus deren Position heraus zu betrachten um zu verstehen, über welche Entscheidungen sie nachdenken.
Ein guter Pokerspieler muss immer versuchen, drei wichtige Fragen zu beantworten:
#1. Was hat mein Gegner auf der Hand?
#2. Was glaubt mein Gegner, dass ich auf der Hand habe?
#3. Was glaubt mein Gegner, dass ich glaube, dass er auf der Hand hat?
Ihr müsst zuerst die Antworten auf diese Fragen finden und dann wissen, wie ihr die Antworten zu eurem Vorteil nutzen könnt (was noch wichtiger ist). Wenn ihr ein Paar Könige habt und euer Gegner ein Paar Asse und ihr beide wisst, was der andere hat, und ihr beide wisst, dass ihr es wisst, warum sollte man dann überhaupt spielen? Ein Pokerprofi wird die Situation mit mehreren unterschiedlichen Techniken manipulieren, um seinen Gegner aus der Bahn zu werfen. Ihr gewöhnt euch besser daran, Dinge zu verkomplizieren; manchmal ist dies der einzige und beste Weg, den man einschlagen kann.
Eine wichtige Anmerkung: Gute Psychologie ist in einem Spiel ohne Limit wesentlich wichtiger, als in einem Spiel mit Limit, und es ist lebenswichtig, dass ihr euch dessen bewusst seid. Während Spiele mit Limits häufig in eine mathematische Auseinandersetzung ausarten, besitzen Spiele ohne Limits ein starkes psychologisches Element und Anfänger sollten sich dessen bewusst sein.
Während Risiko- und Belohnungsmanagement Fertigkeiten sind, die man offensichtlich besitzen sollte - sowohl im täglichen Leben, als auch beim Poker - bringen Glücksspiel-Seiten unsere Charaktereigenschaften zu Tage, derer wir uns häufig gar nicht bewusst sind; manchmal spielen wir einfach mehr mit Leidenschaft als mit Verstand. Ihr solltet immer versuchen, eine Balance zwischen den beiden zu wahren und niemals zulassen, dass sie außer Kontrolle geraten. Gute Pokerspieler sollten willens sein, große Risiken einzugehen, wenn die Belohnung entsprechend hoch ist, aber NUR wenn der zu erwartende Gewinn höher ist als das Risiko. Pokerspielen ist eine Art Balanceakt und starke Pokerspieler sind diejenigen, die die Dinge mit größter Fertigkeit ausbalancieren können.
Wichtiger jedoch ist, dass ihr verstehen solltet, dass die Risiko-im-Vergleich-zur-Belohnung-Natur von Poker sich auch außerhalb des Pokerraums erstreckt. Führt immer Buch darüber, wie viel Geld ihr für Poker benötigt und wie viel ihr für euren Lebensunterhalt braucht - wir müssen euch wohl nicht sagen, welche der beiden wichtiger ist.
Grundsätzlich sind gute Pokerspieler Risiken gegenüber eher abgeneigt, was euch vielleicht überraschen mag. In der Sprache der Investoren wird jemand als risikoneutral, risikoscheu oder risikobereit definiert, indem man analysiert, was er oder sie mit den jeweils verfügbaren Finanzmitteln macht. Mit der Zeit werdet ihr feststellen, dass die erfolgreichsten Pokerspieler nicht diejenigen sind, die ganze Geldbündel auf ein rein spekulatives Blatt setzen (risikobereit), noch diejenigen, die sich nur alle Jubeljahre einmal ein Herz ergreifen (risikoneutral). Erfolgreiche Pokerspieler sind stattdessen diejenigen, die nur kalkulierbare Risiken eingehen und die immer die „Gesamtsituation“ im Auge behalten.
Wenn ihr euch an ein derartiges Beispiel haltet, solltet ihr erfolgreicher sein, als wenn ihr immer den ganzen Pott haben wollt. Auch wenn ihr anfangs mit großen Risiken erfolgreich sein mögt, wird euch eure Waghalsigkeit früher oder später zum Verhängnis werden.